IÖR-Jahrestagung 2020: Raum und Transformation

vom 23. bis 25. September 2020 im Deutschen Hygiene-Museum, Dresden

Themenstränge

Mensch-Natur-Beziehungen in sub-/urbanen Räumen

Die Welt im Anthropozän ist geprägt von einer rasanten Urbanisierung. Bis 2050 sollen 68% der Weltbevölkerung in Städten leben. Durch diese und weitere Herausforderungen, wie der Digitalisierung, droht die Gefahr der zunehmenden Entfremdung des Menschen von der Natur sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Im Kontext einer notwendigen Nachhaltigkeitstransformation wird die Entkopplung von Mensch und Natur als eine Hauptursache nicht-nachhaltiger Entwicklungspfade betrachtet (u.a. Abson et al. 2017, Folke et al. 2011). Aus diesen Gründen wird die Förderung und Wiederentdeckung der Mensch-Natur-Beziehung als ein wichtiger Hebel für einen transformativen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit diskutiert (Ives et al. 2018) – vor allem im urbanen Kontext.

Die Identifikation und Bewertung geeigneter Strategien und Interventionen zur Stärkung von Mensch-Natur-Beziehungen stehen im Fokus einer praxisorientierten Stadtökologieforschung (Artmann et al. 2020). Ansätze wie naturbasierte Lösungen, grüne Infrastruktur, Biodiversitätsstrategien oder Naturerfahrungsräume fördern dabei eine umweltgerechte und nachhaltige Stadtentwicklung (Grunewald et al. 2017, Hersperger et al. 2020). Durch die Verzahnung der Stadtökologie- mit der Transformationsforschung können experimentelle Forschungsdesigns (z. B. Reallabore) innovative Interventionen zur (Rück-)Verbindung des Menschen mit Natur erproben und somit einen wertvollen Beitrag zur Nachhaltigkeitstransformation von Städten und Regionen liefern.

Im Rahmen dieses Konferenztracks sollen die Potenziale von stadtökologischer Forschung und angrenzender Disziplinen sowie praxisorientierten Interventionen zur Förderung von Mensch-Natur-Beziehungen als Beiträge zur Nachhaltigkeitstransformation von Städten und Regionen reflektiert und diskutiert werden. Dabei sollten Beiträge unter anderem auf folgende Aspekte fokussieren:

  • Welche Verbindungen bestehen zwischen Stadtnatur und Mensch-Natur-Beziehungen?
  • Wie lassen sich verschiedene Typen von Mensch-Natur-Beziehungen in urbanen/suburbanen Räumen bewerten (z. B. unter Nutzung von Konzepten wie beziehungsorientierter Werte von Ökosystemleistungen)?
  • Welche räumlichen Implikationen verschiedener Strategien und Konzepte zur Stärkung von Mensch-Natur-Beziehungen in urbanen/ suburbanen Räumen lassen sich erkennen?
  • Welche Wirkungen entfalten (sub-)urbane Mensch-Natur-Beziehungen bezüglich der Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen (z. B. nachhaltiger Konsum, Naturschutz)?
  • Welche effektiven Strategien und Maßnahmen zur Stärkung von Mensch-Natur-Beziehungen in urbanen/ suburbanen Räumen als Hebel für transformativen Wandel zur Nachhaltigkeit gibt es?
  • Wie können Konzepte zu Mensch-Natur-Beziehungen (z. B. naturbasierte Lösungen, Ökosystemleistungen) sowie Theorien und Modelle zu Nachhaltigkeitstransformationen (z. B. Mehrebenen-Perspektive - MLP) verbunden werden bzw. welche Unterschiede bestehen?

Abson, D.J., Fischer, J., Leventon, J., Newig, J., Schomerus, T., Vilsmaier, U., von Wehrden, H., Abernethy, P., Ives, C.D., Jager, N.W., Lang, D.J., 2017. Leverage points for sustainability transformation. Ambio 46, 30–39. https://doi.org/10.1007/s13280-016-0800-y

Artmann, M., Sartison, K., Vávra, J., 2020. The role of edible cities supporting sustainability transformation – A conceptual multi-dimensional framework tested on a case study in Germany. Journal of Cleaner Production 255, 120220. https://doi.org/10.1016/j.jclepro.2020.120220

Folke, C., Jansson, Å., Rockström, J., Olsson, P., Carpenter, S.R., Chapin, F.S., Crépin, A.-S., Daily, G., Danell, K., Ebbesson, J., Elmqvist, T., Galaz, V., Moberg, F., Nilsson, M., Österblom, H., Ostrom, E., Persson, Å., Peterson, G., Polasky, S., Steffen, W., Walker, B., Westley, F., 2011. Reconnecting to the Biosphere. AMBIO 40, 719. https://doi.org/10.1007/s13280-011-0184-y

Grunewald, K., Syrbe, R.-U., Walz, U., Richter, B., Meinel, G., Herold, H., Marzelli, S., 2017. Germany’s Ecosystem Services – State of the Indicator Development for a Nationwide Assessment and Monitoring. OE 2, e14021. https://doi.org/10.3897/oneeco.2.e14021

Hersperger, A.M., Bürgi, M., Wende, W., Bacău, S., Grădinaru, S.R., 2020. Does landscape play a role in strategic spatial planning of European urban regions? Landscape and Urban Planning 194, 103702. https://doi.org/10.1016/j.landurbplan.2019.103702

Ives, C.D., Abson, D.J., von Wehrden, H., Dorninger, C., Klaniecki, K., Fischer, J., 2018. Reconnecting with nature for sustainability. Sustainability Science 13, 1389–1397. https://doi.org/10.1007/s11625-018-0542-9

Mehr-Ebenen-Governance und räumliche Planung

Nachhaltigkeitstransformationen sind gekennzeichnet durch langfristige tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungsprozesse, die mit einem hohen Maß an Dynamik, Komplexität und Ungewissheit verbunden sind. (Elzen et al. 2004, Folke et al. 2010). Strategische Steuerung und Planbarkeit adressieren zwar Langfristigkeit und Komplexität, stehen jedoch im Spannungsverhältnis mit offenen und emergenten Prozessen gesellschaftlichen Wandels. Der Anspruch, transformativen Wandel zu begleiten und Dynamiken zu beeinflussen, stellt neue Anforderungen an Governanceansätze und Planungsinstrumente und erfordert den Aufbau transformativer Kapazitäten - insbesondere im Zusammenhang mit Städten und Regionen (Wolfram 2016).

Im inter- und transdisziplinären Feld der Transformationsforschung entstehen Beiträge zu neuartigen Governanceansätzen mit nuancierten Perspektiven auf systemische Transformations­prozesse (z. B. Transition Governance, Loorbach 2017). Im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses steht der wechselseitige Einfluss unterschiedlicher Akteure und Interaktionsformen auf die institutionellen und strukturellen Bedingungen eines zielgerichteten Wandels in Richtung Nachhaltigkeit sowie dessen Dynamik insgesamt (Ehnert et al. 2018). Transition Governance als transdisziplinärer Steuerungsansatz, der auf der Ko-Produktion von Wissen beruht, fokussiert auf Lösungsansätze für komplexe realweltliche Problemlagen (Loorbach 2010). Neuartige partizipative Prozesse und kollaborative Instrumente sollen u. a. durch die Entwicklung von Visionen und Experimenten transformative Entwicklungspfade eröffnen. Auch Forschungsansätze, die neben der Generierung von Wissen zugleich Impulse für transformativen Wandel setzen sollen, gewinnen an Bedeutung (Schneidewind & Singer-Brodowski 2013).

Diese jüngeren Erkenntnisse und Entwicklungen in der Transformationsforschung stellen sowohl die Planungswissenschaft als auch die Planungspraxis vor neue Herausforderungen. Dabei ist räumliche Planung durch ihre Querschnittsorientierung und Erfahrungen mit Beteiligungs- und Kollaborationsprozessen einerseits prädestiniert, eine systemische Perspektive einzunehmen und Transformationsprozesse mitzugestalten. Andererseits ist sie mit ihrer politisch-administrativen Verankerung und ihrem formellen Instrumentarium an bestehende Strukturen gebunden (Wolfram 2018).

Im Rahmen dieses Themenstranges sollen Potenziale und Grenzen von raumbezogenen Planungs- und Steuerungsansätzen sowie deren Schnittstellen und Konfliktlinien zu transformationsorientierten Governance- und Forschungsansätzen diskutiert werden. Dabei sollten Beiträge unter anderem auf folgende Aspekte fokussieren:

  • Welche grundsätzlichen Konfliktlinien bestehen zwischen aktuellen Planungsparadigmen, ‑systemen, -kulturen sowie -instrumenten und der Aufgabe, transformativen Wandel zu gestalten?
  • Welche etablierten formalen und informellen Planungsinstrumente (z. B. des Stadtumbaus) ermöglichen oder erschweren durch ihre Raum-, Zeit-, Akteurs- oder sonstige Perspektive transformativen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit und wodurch?
  • Welche Rolle spielen unterschiedliche Akteure in Transformationsprozessen und wie kann Planung durch geeignete Partizipations- und Ermächtigungsansätze Potenziale für transformativen Wandel erschließen?
  • Welche Rolle spielen unterschiedliche räumliche Bezugsebenen (Block, Quartier, Stadtregion usw.) und deren sinnfällige Verknüpfung im Sinne einer Mehr-Ebene-Governance?
  • Welche Rolle können und sollten transdisziplinäre und transformative Forschungsansätze mit ihren Instrumentarien (z. B. Reallabore) in der Planung einnehmen, und welche Weiterentwicklungen folgen daraus?
  • Welche Anforderungen sind an raumbezogene Planungs- und Steuerungsansätze zu stellen, wenn diese transformativen Wandel initiieren, beschleunigen und begleiten sollen?

Ehnert, F., Frantzeskaki, N., Barnes, J., Borgström, S., Gorissen, L., Kern, F., Strenchock, L., Egermann, M., 2018. The Acceleration of Urban Sustainability Transitions: A Comparison of Brighton, Budapest, Dresden, Genk, and Stockholm. Sustainability 10, 612. https://doi.org/10.3390/su10030612

Elzen, B., Geels, F.W., Green, K., 2004. System innovation and the transition to sustainability: theory, evidence and policy. Edward Elgar Publishing, Cheltenham.

Folke, C., Carpenter, S.R., Walker, B., Scheffer, M., Chapin, T., Rockström, J., 2010. Resilience Thinking: Integrating Resilience, Adaptability and Transformability. . Ecology & Society 15, 1–9.

Loorbach, D., 2010. Transition Management for Sustainable Development: A Prescriptive, Complexity-Based Governance Framework. Governance 23, 161–183. https://doi.org/10.1111/j.1468-0491.2009.01471.x

Loorbach, D., Frantzeskaki, N., Avelino, F., 2017. Sustainability Transitions Research: Transforming Science and Practice for Societal Change. Annu. Rev. Environ. Resour. 42, 599–626. https://doi.org/10.1146/annurev-environ-102014-021340

Schneidewind, U., Singer-Brodowski, M., 2013. Transformative Wissenschaft: Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem. Metropolis-Verl, Marburg.<

Wolfram, M., 2018. Urban planning and transition management: Rationalities, instruments and dialectics, in: Frantzeskaki, N., Bach, M., Hölscher, K., Avelino, F. (Eds.), Co-Creating Sustainable Urban Futures. Springer, New York, pp. 103–125.

Wolfram, M., 2016. Conceptualizing urban transformative capacity: A framework for research and policy. Cities 51, 121–130. https://doi.org/10.1016/j.cities.2015.11.011

Metabolismen und Zirkularität in Stadt und Region

Aktuell basiert die Wirtschaftstätigkeit in sozio-ökonomischen Systeme maßgeblich auf linearen Ressourcenströmen und einer zunehmenden Natur- und Flächeninanspruchnahme. Eine Transformation zu zirkulären, nahräumlichen Wirtschaftssystemen verspricht eine verringerte Ressourceninanspruchnahme sowie weniger Emissionen und Abfallprodukte zu generieren. Eine solche Transformation ist mit einem grundlegenden Wandel vielfältiger Strukturen, Kulturen und Handlungsweisen verbunden. Sie bietet Lösungsansätze zur effektiven und langfristigen Nutzung von Flächen und Gebäuden, zur Entwicklung von wiederverwendbaren lokalen und regionalen Produkten, zur Wertschätzung von Abbruchmaterial als Ausgangsstoff und zum Umgang mit gefährlichen Stoffen, die den Stoffkreisläufen entzogen werden müssen.

Dennoch steht ein Wandel zu zirkulären, nahräumlichen Systemen noch vor hohen Hürden. Eine zentrale Herausforderung stellt beispielsweise die komplexe Konfiguration und Verknüpfung von Produktion und Konsum auf verschiedenen Betrachtungsebenen dar (Köhler et al. 2019). Verschiedene Studien (z. B. aus der urbanen und gesellschaftlichen Metabolismusforschung, Ressourcenökonomie) bieten unter Verwendung unterschiedlicher Methoden (z. B. Materialflussanalyse, multisektorale Modellierung) bereits grundlegende Informationen zu Mengen und Qualitäten von Informations- und Materialflüssen und ihren Wirkungszusammenhängen im Raum (Korzhenevych 2016, Schiller et al. 2017b).

Auch in der Stadt- und Regionalentwicklung sind lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe zu einem wichtigen Handlungsfeld geworden (z. B. die Initiative "original regional" der Metropolregion Nürnberg). Viele zivilgesellschaftliche Initiativen erproben bereits im kleineren Rahmen transformative, nahräumliche Wirtschaftsformen (vgl. z. B. Nascent-Projekt im Ernährungssektor). Der Weg zu Zirkularität und Nahräumlichkeit als dominantem Modus von Produktion, Konsum, Rohstoffversorgung und Schadstoffausschleusung scheint jedoch noch weit zu sein. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch die Übertragbarkeit von Steuerungsansätzen zwischen dem Globalen Norden und Süden (Jain et al. 2019). Daher sollten Beiträge unter anderem auf folgende Aspekte fokussieren:

  • Welche grundlegenden Herausforderungen bestehen bei einem Wandel von linearen zu zirkulären, nahräumlichen Ressourcenströmen und Wirtschaftssystemen?
  • Welche Potenziale und Grenzen haben formelle und informelle Instrumente der Stadt- und Regionalentwicklung bezüglich der Förderung eines transformativen Wandels zu zirkulären, nahräumlichen Systemen?
  • Welche Potenziale und Grenzen haben sektorale und intersektorale Ansätze der Umwelt- Stadt- und Regionalplanung bezüglich der Förderung eines transformativen Wandels zu zirkulären, nahräumlichen Systemen?
  • Welche Möglichkeiten bieten insbesondere stadt-regionale Governance-Ansätze (z. B. Metropolregionen) zur Stärkung zirkulärer, nahräumlicher Systeme?
  • Welche spezifischen Herausforderungen bestehen im Bereich "Bauen und Wohnen" und den diesbezüglichen Materialströmen und Stoffkreisläufen?
  • Wie lassen sich zirkuläre, nahräumliche Systeme etablieren, digital abbilden und wissenschaftlich beobachten?
  • Sind solche Systeme wettbewerbsfähig, wie hängt das von der zeitlichen Perspektive ab?
  • Wie können solche zirkuläre Ansätze skaliert und räumlich verbreitet werden?
  • Welche veränderten Werte, Normen, Akteursrollen und betrieblichen Wirtschaftsformen sind mit zirkulären, nahräumlichen Systemen verbunden, und wie können diese durch die Stadt- und Regionalentwicklung sowie -planung aufgegriffen werden?

Jain, M., Korzhenevych, A., Pallagst, K., 2019. Assessing growth management strategy: A case study of the largest rural-urban region in India. Land Use Policy 81, 1–12. https://doi.org/10.1016/j.landusepol.2018.10.025

Köhler, J., Geels, F.W., Kern, F., Markard, J., Onsongo, E., Wieczorek, A., Alkemade, F., Avelino, F., Bergek, A., Boons, F., Fünfschilling, L., Hess, D., Holtz, G., Hyysalo, S., Jenkins, K., Kivimaa, P., Martiskainen, M., McMeekin, A., Mühlemeier, M.S., Nykvist, B., Pel, B., Raven, R., Rohracher, H., Sandén, B., Schot, J., Sovacool, B., Turnheim, B., Welch, D., Wells, P., 2019. An agenda for sustainability transitions research: State of the art and future directions. Environmental Innovation and Societal Transitions 31, 1–32. https://doi.org/10.1016/j.eist.2019.01.004

Korzhenevych, A., 2016. Computable General Equilibrium Models: Historical Background and Basic Structure. pp. 3–29. https://doi.org/10.1142/9789813208179_0001

Schiller, G., Gruhler, K., Ortlepp, R., 2017. Quantification of anthropogenic metabolism using spatially differentiated continuous MFA. Change and Adaptation in Socio-Ecological Systems 3. https://doi.org/10.1515/cass-2017-0011

Räumliche Visualisierung und Modellierung von Transformationen

Die Entwicklung von Indikatoren und Modellen zur Beobachtung und (quantitativen) Beschreibung transformativen Wandels stellt eine zentrale methodologische Herausforderung der Transformationsforschung dar (Köhler et al. 2019). Insbesondere Modellierungsansätze erfordern Daten und Indikatoren, die einen strukturierten Zugang zur Komplexität systemischen Wandels ermöglichen (Holtz et al. 2015).

Die Eignung und Nutzbarkeit von Indikatoren und Modellen zur Gestaltung von Nachhaltigkeits-Transformationen wird dabei sowohl von ihren räumlichen und zeitlichen Dimensionen geprägt, als auch vom Prozess ihrer Entwicklung. Im Kontext der globalen ökologischen Krise liefern raumbezogene Daten und Indikatoren bereits heute einen wichtigen Baustein für räumlich und zeitlich hochauflösende Analysen im Umgang mit Risiken und Naturgefahren (Neubert et al. 2016, Schinke et al. 2012), werden jedoch primär von Experten erarbeitet und genutzt. In der Stadt- und Regionalentwicklung stellen sie ebenso eine wesentliche Grundlage für die Erarbeitung von Szenarien zur Exploration unsicherer Zukünfte dar, wobei hier auch partizipative Methoden zur Anwendung kommen (Kahila-Tani et al. 2019). Insbesondere transdisziplinäre Forschungsansätze bieten jedoch die Möglichkeit, heterogene raumbezogene Wissensbestände zu integrieren und durch Geocomputing einer Nachhaltigkeitsbewertung zu öffnen und neue Handlungsrelevanz zu verschaffen. Erkenntnisse zur Auswahl, Aufbereitung und Bereitstellung raumbezogener Daten, sowie Ansätze zu deren Analyse, Visualisierung und Modellierung  stellen insofern eine notwendige und vielversprechende Unterstützung der gesellschaftlichen Reflektion mehrdimensionaler, komplexer Transformationsprozesse dar (Behnisch et al. 2019, Jehling et al. 2018, Krüger et al. 2013, Klosterman et al. 2018, Richter & Behnisch 2019). Beiträge in diesem Track sollten daher unter anderem auf folgende Aspekte fokussieren:

  • Welche Daten, Indikatoren und Modelle werden benötigt, um handlungsrelevante Beiträge zu Transformationsprozessen in Richtung nachhaltiger Städte und Regionen zu leisten?
  • Welche Technologien und Methoden liefern effiziente und effektive Ansätze, um raumbezogene Daten aufzubereiten und Transformationsprozesse zu reflektieren?
  • Wie lässt sich die Nutzbarkeit und Wirksamkeit von Daten und Indikatoren in Transformationsprozessen erhöhen und bewerten?
  • Welche Rolle spielen transdisziplinäre Ansätze zur Erhebung und Auswertung raumbezogener Daten zu Transformationsprozessen?
  • Welche Formen der Visualisierung von und Interaktion zu raumbezogenen Daten und Indikatoren zu Transformationsprozessen bestehen bereits und sind erforderlich?
  • Inwiefern können Visualisierungen von Indikatoren (z. B. in Karten) als „boundary objects“ dienen, um in Bezug auf Transformationsprozesse, die Kommunikations- und Handlungsfähigkeit in inter- und transdisziplinären Akteurskonstellationen zu steigern? 

 

Behnisch, M., Schorcht, M., Kriewald, S., Rybski, D., 2019. Settlement percolation: A study of building connectivity and poles of inaccessibility. Landscape and Urban Planning 191, 103631. https://doi.org/10.1016/j.landurbplan.2019.103631

Holtz, G., Alkemade, F., de Haan, F., Köhler, J., Trutnevyte, E., Luthe, T., Halbe, J., Papachristos, G., Chappin, E., Kwakkel, J., Ruutu, S., 2015. Prospects of modelling societal transitions: Position paper of an emerging community. Environmental Innovation and Societal Transitions 17, 41–58. https://doi.org/10.1016/j.eist.2015.05.006

Jehling, M., Hecht, R., Herold, H., 2018. Assessing urban containment policies within a suburban context—An approach to enable a regional perspective. Land Use Policy 77, 846–858. https://doi.org/10.1016/j.landusepol.2016.10.031

Kahila-Tani, M., Kytta, M., Geertman, S., 2019. Does mapping improve public participation? Exploring the pros and cons of using public participation GIS in urban planning practices. Landscape and Urban Planning 186, 45–55. https://doi.org/10.1016/j.landurbplan.2019.02.019

Klosterman, R.E., Brooks, K., Drucker, J., 2018. Planning support methods: urban and regional analysis and projection. Rowman & Littlefield, Lanham Boulder New York London.

Köhler, J., Geels, F.W., Kern, F., Markard, J., Onsongo, E., Wieczorek, A., Alkemade, F., Avelino, F., Bergek, A., Boons, F., Fünfschilling, L., Hess, D., Holtz, G., Hyysalo, S., Jenkins, K., Kivimaa, P., Martiskainen, M., McMeekin, A., Mühlemeier, M.S., Nykvist, B., Pel, B., Raven, R., Rohracher, H., Sandén, B., Schot, J., Sovacool, B., Turnheim, B., Welch, D., Wells, P., 2019. An agenda for sustainability transitions research: State of the art and future directions. Environmental Innovation and Societal Transitions 31, 1–32. https://doi.org/10.1016/j.eist.2019.01.004

Krüger, T., Meinel, G., Schumacher, U., 2013. Land-use monitoring by topographic data analysis. Cartography and Geographic Information Science 40, 220–228. https://doi.org/10.1080/15230406.2013.809232

Neubert, M., Naumann, T., Hennersdorf, J., Nikolowski, J., 2016. The Geographic Information System-based flood damage simulation model HOWAD: GIS-based flood damage simulation model. J. Flood Risk Manage 9, 36–49. https://doi.org/10.1111/jfr3.12109

Richter, B., Behnisch, M., 2019. Integrated evaluation framework for environmental planning in the context of compact green cities. Ecological Indicators 96, 38–53. https://doi.org/10.1016/j.ecolind.2018.05.025

Schinke, R., Neubert, M., Hennersdorf, J., Stodolny, U., Sommer, T., Naumann, T., 2012. Damage estimation of subterranean building constructions due to groundwater inundation – the GIS-based model approach GRUWAD. Nat. Hazards Earth Syst. Sci. 12, 2865–2877. https://doi.org/10.5194/nhess-12-2865-2012

Offener Themenstrang

Beiträge zum allgemeinen Konferenzthema "Raum und Transformation", die sich nicht auf die vier übrigen Themenstränge beziehen lassen, sind ebenfalls willkommen.

Der offene Themenstrang bietet beispielsweise Raum für die Diskussion von Querschnittsthemen oder neuartigen Zugängen, Ansätzen und Methoden der raumbezogenen Transformationsforschung.

Bis 20. April 2020 können Sie Ihre Vorschläge für Beiträge einreichen.